Sonaten und Meditationen

 

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Musik für Violine und Gitarre aus Barock und Gegenwart


Das zweite Album des Albert/Hirschfeld Duo nach den im Herbst 2010 erschienenen Lyrics

ist in noch stärkerem Maße als das vorhergehende ein echtes Konzeptalbum.

Die Sonate als musikalische Form entstand im Barock und wurde im 20. Jahrhundert für tot erklärt. Die

Meditation verschwand nach dem Barock aus der Musik und tauchte im 20. Jahrhundert wieder auf.

Diese CD stellt Werke beider Epochen gegenüber, formklar und verspielt, sinnend und sinnlich.

Mit einer bewussten Tonarten-Dramaturgie schickt die CD den Hörer durch gezielte Kombinationen und

Gegenüberstellungen von formstrengen Sonaten und weit atmenden Meditationen aus Barock und

Gegenwart auf eine magische, nicht lineare Reise durch die Zeit und die eigenen Empfindungen.


Antonio Vivaldis (1675-1741) Sonate verkörpert die typische Sonatenform seiner Zeit mit je zwei

Satzpaaren langsam-schnell. Vivaldi schrieb sie zunächst als Duette für Violine und Cello, aus

kommerziellen Gründen veröffentlichte sein Verleger sie aber als Sonaten für Violine und basso continuo.

Unsere Fassung mit Gitarre bewegt sich quasi in der Mitte zwischen dem Cello als linearen Instrument und

den Möglichkeiten der harmonischen Begleitung durch das Cembalo. Der Grund- und Schlusston d wird

aufgenommen von Violeta Dinescus (*1953) Satya I (Sanskrit: “innere, geheime Wahrheit”).

Auch in diesem Stück wirkt der Ton d als tonales Zentrum,  von dem ausgehend die Komposition ihre

klangliche Bewegung aus der Schwingung des einzelnen Tones, über unterschiedlich starkes Vibrato und

Mikrointervallik bis hin zu atmenden Bögen und motivischen Tongruppen entwickelt. Im Laufe des Werkes

verschiebt sich das Tonale Zentrum von d zu g, dem Anfangs- und Grundton der Passagalia von Heinrich

Ignatz Franz von Biber (1644-1704). Die Passagalia ist der solistische Epilog zu den 15 Rosenkranz-

Sonaten für Violine und basso continuo und trägt den Untertitel “Der Schutzengel als Begleiter des

Menschen”. Biber baut hier über vier absteigenden Tonschritten ein ganzes Universum an musikalischen

Variationen, eine wahrhaft meditative Architektur in Tönen. Die dem Werk zugrunde liegende Folge aus 4

Tönen g-f-es-d führt das Spannungsfeld g-d aus Dinescus Satya weiter.

Mit g beginnt auch das Thema der Fuge aus der Sonate C-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Die Interpretation von Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo auf der Gitarre ist seit langem üblich

und bietet sich an. Es gibt zwar keine Transkription dieser Sonate für Laute von Bach selbst, doch

war eine derartige Praxis zu seiner Zeit sehr üblich. Die Fuge nun ist - ähnlich wie Bibers Passagalia - eine

Kontemplation über ein Thema in sehr strenger Form,  ausgedehnt und zur Versenkung einladend.

Kontrastierend hierzu, gleichzeitig aber wieder die Brücke schlagend zur barocken Sonatenform folgt

Hirschfelds (*1965) Sonate für Violine und Gitarre. In diesem Werk fungiert der erste Satz als langsame

Vorbereitung für die folgende Fuge. Das Fugenthema ist verschlüsselt bereits im von barocker

“Endlosmelodik”  inspirierten ersten Satz angelegt. Der langsame dritte Satz entwickelt aus dem gleichen

melodischen Material eine variierte Liedform, bevor im letzten Satz alle bisherigen musikalischen

Gedanken als Seitenthemen eines tänzerischen Rondos noch einmal wiederkehren.


Der dritte Teil der CD wird wiederum gebildet durch 3 Meditationen:

Andreas Pflügers (*1941) Meditation arbeitet, ähnlich wie Bachs Adagio zuvor, mit einem

Wechselton-Motiv. Wird es bei Bach in großer musikalischer Dichte konsequent durchgearbeitet, ist es bei

Pflüger eher Ausgangspunkt für verschiedenste Varianten. Einzelne Töne und Tongruppen werden in

ständig wechselnder Reihenfolge, in unterschiedlichen Klangfarben und Spieltechniken wiederholt und

transponiert, so dass man, wie in einer Meditation eben, nicht mehr unterscheiden kann, ob sich Gleiches

in neuem Licht oder Neues in gleichem Lichte zeigt. Das abschließende Largo von Bach scheint, nach den

vorherigen Werken, wie ein klares Licht, das aus all der bisherigen Kontemplation heraus ersteht.

Es ist ein ebenso schlichtes wie tiefes Stück, mit dem diese CD harmonisch ausklingt.

Aufgenommen im Studio P4 in den legendären ehemaligen Räumen des Rundfunks der DDR in der

Nalepastraße Berlin fügen sich die Interpretationen der beiden Musiker zu einem musikalischen

Gesamtbild von subtiler Intensität und sensibler Klanglichkeit.

Albert/Hirschfeld Duo    Sonaten & Meditationen

Musik für Violine und Gitarre aus Barock und Gegenwart

C. René Hirschfeld - Violine / Sebastian Albert - Gitarre

Erschienen bei Ragaprong, LC 12599, Bestellnummer: RG 2011-001