Presse


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Eaten by Sheiks  (Auswahl)



Szene Hamburg schreibt am 2. August 08


Damit hektische Musik wirklich gut klingt, braucht es einiges an Raffinesse. Die Hamburger Band Eaten by Sheiks besitzt diese

Gabe , zu der auch eine Menge Handwerk gehört. Doch darüber spricht man in der Punkrocknachfolgeorganisation Indierock

natürlich nicht gern. Schade eigentlich denn auch Fingerfertigkeit kann sexy sein. Dann nämlich, wenn man sie in einen solch

kraftvollen, progressiven Powerrock verwandelt. Das St.Pauli-Quartett rund um Sänger Ricardo Cortez, der wie eine gestreckte

Version des Bremer Fußballsstars Diego ausschaut, erinnert mit seinem Kraftpaket »Bold« an Bands wie Mars Volta, Motorpsycho

und eine extrem rockige Variante von Blur. In Deutschland lassen sich Eaten by Sheiks ob ihrer internationalen Wucht noch mit

The Robocop Krauss nach einem mehrjährigen Besuch des Berklee College of Music vergleichen. Kaum zu glauben, dass man mit

so viel spritzigem Hochglanz bereits einige Alben im so genannten Undergrund produzieren musste.





Klingt wie spannende Rockmusik? Es ist spannende Rockmusik!

SEBASTIAN REIER, JOURNALIST ZEIT-ONLINE






unclesallys-online schreibt am 5. Juli 08


...  Ihr siebtes Album »Bold« vergleichen die Sheiks mit Blur minus Damon Albarn und liegen damit nicht völlig falsch. Aber letztlich

hat ihr Indie-Rock doch wesentlich mehr Arsch in der Hose und klingt nebenbei bemerkt auch äußerst »undeutsch«.

Was auch immer das genau bedeutet es ist als Kompliment gemeint!


NINA TÖLLNER





musikexpress-online schreibt am 1. Juli 08


Na, was ist denn da bislang an uns vorbei gegangen? Aus Hamburg, St. Pauli erheben sich Eaten By Sheiks, denen es gelungen

ist, eine Brücke zwischen Crash Tokio und Incubus zu schlagen. Man glaubt es kaum, aber manchmal schlummern Bands völlig

zu unrecht in der Versenkung, und wenn man sie dann entdeckt, herrscht vollkommene Verwunderung und Empörung darüber,

wieso und wie dieser heiße Scheiß bisher an einem vorbei gegangen ist. So geschehen mit Eaten By Sheiks. Bereits seit fünf

Jahren tourten sich die Hamburger durch Deutschland (u.a. im Vorprogramm von Wir sind Helden), veröffentlichen etliche

Tonträger selbst und nahmen mit Skunk-Anansie-Gitarrist Ace ihr Fünftwerk OUR LAST FIRST RECORD auf. Nun also Platte

Numero sei. BOLD heißt sie und rattert rücksichtslos drauflos, wobei ihr eine bestimmte Stilausrichtung herzlich egal zu sein

scheint. Einerseits setzt sich oft ein stampfender Gitarrenrhythmus fest, den man u.a. von Indiegößen à la Crash Tokio oder

Beatsteaks kennen und lieben gelernt hat nachzuhören z.B. bei »Touched« oder »Cant Beat Them«. Andererseits beherrschen die

von Scheichs gefressenen auch verspieltere und experimentellere Töne. Dann wird es sphärischer und gleichzeitig Bass-lastiger.

»I Feel Bold« ist so ein fantastischer Moment, bei dem ohne Frage Incubus Pate standen. Letzten Endes drängen sich noch hier

und da diese genial gniedelnden, schweinerockenden Sologitarren ins Bild (»I Feel Bold«), die man sich zwar von den

Hellacopters oder Turbonegro wünscht, aber nicht unbedingt vom gemeinen Indieschlager.


Alles in allem also eine ziemlich verquere Packung, möchte man meinen. Doch das hanseatische Quartett schafft es irgendwie,

daraus ein schlüssiges Ganzes mit Schleife obendrauf zu schnüren. Einen nicht zu klein einzuschätzenden Teil dazu beigetragen

hat wohl der erst seit 2007 bei der Band weilende neue Gitarrist Carl Albrecht, dank dem Eaten By Sheiks nun ihre Mitte gefunden

zu haben scheinen. Hamburg schenkt uns und der deutschen (Indie-)Rocklandschaft eine Überraschung, mit der man weiß Gott

nicht rechnen konnte, von der aber hoffentlich ein paar Menschen Notiz nehmen.


LOTHAR GERBER






INTRO schreibt:


Was sich beim ersten flüchtigen Reinhören noch leichtfertig in die Schublade mit dem ganzen gut bekömmlichen, englischsprachigen deutschen Indierock einsortieren ließ, entpuppt sich nach und nach immer mehr als Schmuckstück, das irgendwie überall ein bisschen reinpasst, aber nirgendwo

wirklich zu Hause ist. Und es sich deswegen auch nirgendwo so richtig bequem machen kann. Gut so. »Our Last First Record« eckt

ständig an, ohne auf die Nerven zu gehen, kann und will sich bei aller Schönheit nie so richtig in Wohlgefallen auflösen. Es ist diese

Art von Kratzigkeit und Verschrobenheit, die (in einer ganz anderen musikalischen Ecke) eine Band wie Motorpsycho so faszinierend

macht, kombiniert mit einer großen Bandbreite an Stilen und Sounds und einer Fülle kleiner, genialer, aber angenehm zurückhaltend

ausgearbeiteter Songideen (z. B. »Say My Name« und »Disco 3000«). Sogar dieses kurze, großartige beatleske Thema in

»Melt Me Down« blasen Eaten By Sheiks nicht zu einem ganzen Song auf, sondern lassen es als kleine Bridge zwischen Strophe

und Refrain stehen.


TILL STOPPENHAGEN



ONETAKEMAGAZIN schreibt


EATEN BY SHEIKS sind nicht leicht zu fassen. Und beantworten so die eigentlich nicht zu beantwortende Frage, was "Indie-Musik"

eigentlich ist. EATEN BY SHEIKS sind Indie, und sie müssen sich einsam gefühlt haben auf einer Bühne mit Acts wie den

GUANO APES und DIE HAPPY, Bands also, die sagen wir es höflich, bewußt mit dem Mainstream liebäugeln. Die vier nun in

Hamburg ansässigen Jungs von EBS stehen zu ihren Wurzeln, vielmehr noch, sie kultivieren sie bewusst, um nach vier Alben nun mit

"Our Last First Record" eine Scheibe zu veröffentlichen, die sich nicht um Konventionen schert und trotz allgegenwärtiger

Heterogenität Anbiederungen vermeidet. Da hat sich jemand selbst gefunden. Eingepackt in eine trockene Produktion von

Ex-Skunk Anansie-Gitarrist Ace, die in ihrer unaufdringlichen Transparenz auch vom puristischen Steve Albini stammen könnte,

knallen sie dem Hörer 14 Songs um die Ohren, die bei den ersten Durchgängen eine Menge Fragezeichen hinterlassen dürften.

Was genau ist das? Stoische Rhythmen und  eine Vorliebe für markante Riffs und delikate Zitate sind die Basis für Songs, in denen

an den verschiedensten Stellen  Melodien aufblitzen, mit denen man nicht gerechnet hat. Wie bei einem Puzzle bauen EBS ihre Songs aus, fügen Teil um Teil hinzu, um das Ganze nieder zu reißen, sobald der Hörer eine Ahnung von dem Gesamtbild bekommen könnte. Sänger Ricardo pendelt zwischen

hyperventilierendem Shouten und verzagtem Hauchen und verwandelt seine Band so abwechselnd in die STROKES und GUIDED BY

VOICES; er klingt mal furchtbar großkotzig, mal fürchterlich einfühlsam, transportiert dabei aber eine ironische Gebrochenheit, die im

besten Sinne cool wirkt. Just wenn man beginnt, unbewusst mit dem Fuß zu wippen, setzt ein Tambourine ein und unterstützt den

Hörer in dem Bewusstsein, einen besonders schönen Part erwischt zu haben. Möglicherweise taucht auch ein Banjo auf, um wieder zu

verschwinden, bevor man es richtig realiseren konnte. EBS spielen mit Stimmungen und Bildern, erinnern mal an die neuen alten

CHILI PEPPERS, an CODEINE und ENGINE 88. An alte amerikanische Indie-Traditionen, die sich eben dadurch auszeichnen, dass

sie Traditionen zwar anerkennen aber nicht überbewerten. EBS sind keine Band, die ein Image kultivieren würden. Sie brauchen keins.

Und "Our Last First Record" ist ein knarzendes Album geworden, ein lautes Album und ein leises, extrovertiert und introvertiert.

Verschroben! Wie Indie nun mal sein sollte. 


DANIEL HECKTOR




NEUE MUSIKZEITUNG schreibt

Ein schier unglaubliches Album stellen die momentan in Hamburg weilenden »Eaten by Sheiks mit »Our last first record« zur Diskussion. Richtig wunderbare Rockmusik, der man Zeitlosigkeit, Charme und Intellekt unterstellen muss. Kaum verwirrt aber verwunderlich zielstrebig zementieren sie einen Stil

der mit der Umschreibung »Rocksongs, Rocksongs und Rocksongs« am besten wirkt. Beifall, Applaus und alle Hüte ziehen.

Deutschland hat eine zweite Rockband neben den Beatsteaks!


 

Albert/Hirschfeld: Lyrics



neue musikzeitung - Ausgabe: 7/11 - 60. Jahrgang


Ein starkes Rezital, eine Fülle von vitaler musica impura. Schwungvoll angepackt mit „Introduzione e Aria“ (1993) von Nuccio D’Angelo, entfaltet es hoch differenzierte Kräfte im Kosmos der „Lyrics“ (1976) von Horst Lohse, worin kleinste Zeichen spannungsvoll aufeinander bezogen sind. Hirschfeld und Albert erfassen sie sinnlich exakt und gestalten einen leisen, verstörenden Soundtrack für imaginäre Tanztheaterminiaturen: ein Rascheln, Flüstern, Schnarren, Klopfen – spitzkantige Melodik, melancholisch, durchsichtig, transparent – ein Zittern, Umspielen, bis die Stimmen sich in zärtlicher Berührung vereinigen und wieder auseinanderstieben.

Die „Solitude“ für Hirschfelds Violine (1984) – mit scharf-insistierendem Espressivo, Zerfaserung in feine leuchtende Linien und der Kompromisslosigkeit einer in den Raum geschleuderten Bewegung – wird konterkariert von der düsteren Gelassenheit in „Philippe’s gone“ von Rainer Rubbert (1997): Der hungernd-streunende Ton einer herabgestimmten G-Saite hängt über schlurfenden Akkordschritten; Schreie gehen nach innen, ersticken in Trauer. Atemlos, sprachlos folgt man diesen Klängen. Das Programm bleibt, mit beständigen Kontrasten, aufregend bis zur letzten Sekunde, auch dank der sensibel aufgezeichneten Balance zwischen den Stimmen (Tonmeister: Andreas Stoffels, Mastering: Stefan Noltemeyer).



Alix Dudel/Sebastian Albert: Sozusagen Grundlos Vergnügt



Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 13. März 2012



„Was man so alles überlebt“

Die Schauspielerin Alix Dudel spricht und singt im Stadttheater Gedichte von Mascha Kaléko


Von Maximilian Balzer


Mascha Kaléko war eine Dichterin des Bruchs, eine romantische Spötterin. Ihr Blick auf die Alltäglichkeiten ihrer Zeit, das Berlin der Zwischenkriegsjahre, war stets auf scharf gestellt. Ihr Witz immer entlarvend; vor allem für dieses große lyrische Ich, das sich eine kleine Pointe nur selten versagen konnte.

Die Schauspielerin und Diseuse Alix Dudel spricht und singt an diesem Abend die Gedichte der Kaléko im Stadttheater. Und lotet dabei auch das von Brüchen gezeichnete Leben der jüdischen Dichterin deutscher Sprache aus.

Das Foyer F1 des Stadttheaters ist gut gefüllt, als Alix Dudel mit dem Gitarristen Sebastian Albert das Podium betritt.

Mascha Kaléko hat auch 35 Jahre nach ihrem Tod einen festen Platz in Bücherregal und Gedächtnis vieler Lyrikfreunde. Das abendfüllende Programm, das die Berlinerin Dudel der Berlinerin Kaléko auf den Leib geschrieben hat, ist nach einem ihrer schönsten Gedichte benannt: „Sozusagen grundlos vergnügt“. Und dieser Titel passt. Denn eines wird im Laufe des Abends klar: Diese Frau hat sich so leicht nicht unterkriegen lassen. Von den Männern nicht, den Kriegen nicht, den Nazis nicht. Und so klingen auch die klugen, kleinen Chansons, die Herbert Baumann Anfang der 1990er Jahre zu ihren Gedichten komponierte. In ihnen hat das Schmissige und Aufreizende ganz selbstverständlich seinen Platz neben selbstzweiflerischen und leisen Tönen.


Und Dudel hat die ideale Stimme, um diese mal volksliedhaften, dann schlagerbeschwingten Stücke zu singen. Dunkel mit rauchigem Timbre, durchlässig für all die Zwischentöne und Nuancen, die Brüche und scharfen Pointen dieser Lyrik. Der Schauspielerin gelingt es, der Dichterin Kaléko mehr als ihre Stimme zu leihen, auch Dudels Lebenserfahrung, ihr treffender Mutterwitz fließen ein.

So wird das Überqueren einer Straße („Signal“) zum entlarvenden Beziehungsdrama, das Wiedersehen mit einer längst verflossenen Liebe („Alte Flamme bei Lichte besehen“) zur augenzwinkernden Selbstreflexion und das langsame Ersaufen im lieblosen Alltag („Ganz kleiner Schwips“) zum Menschheitsthema, zu Sein oder Nichtsein. Alix Dudel zieht das Publikum im Laufe des Abends in ihren Bann, man applaudiert und lacht. Und auch Sebastian Albert an der Gitarre bekommt für seine virtuosen Solo-Einlagen und witzigen Einwürfe viel Applaus.

Um Mascha Kaléko auf den Grund zu gehen, so hat es Joachim Ringelnatz einst gesagt, hätte man erst einmal der Liebe auf den Grund gehen müssen. Ein guter Satz. In diesem Sinne ist Kalékos Lyrik der Heinrich Heines eng verbunden. Sie erscheint romantisch und urban, weltgewandt und sehnsüchtig, gebrochen und aufrecht zugleich. Widersprüche, die sich in der deutschen Romantik viel zu selten begegnen. Alix Dudel schafft es mit ihrem neuen Programm, diese Gegensätze mit vergnügter Nachdenklichkeit zu vereinen.

Und kommt damit dem großen Geheimnis der Mascha Kaléko auf die Spur. Denn wenn Liebe nicht widersprüchlich ist, was dann?




Göttinger Tageblatt vom 25. Januar 2012


Kleine Einsamkeiten in der großen Stadt

Schauspielerin Alix Dudel singt und spricht Gedichte von Mascha Kaléko


Von Matthias Korber


Als Großstadt-Lyrik werden die Gedichte Mascha Kalékos oft bezeichnet. Tatsächlich geht es der Dichterin um die Menschen der Großstadt, um ihre Beziehungen, ihre kleinen Einsamkeiten. In der Sängerin und Schauspielerin Alix Dudel fanden die Gedichte Kalékos am Wochenende eine großartige Interpretin.

Die Stühle im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bovenden sind bis in die hinteren Reihen besetzt als Alix Dudel mit dem Gitarristen Sebastian Albert das Podium betritt: Auch mehr als 35 Jahre nach ihrem Ableben hat Mascha Kaléko immer noch eine große Fangemeinde. Das Programm umfasst gesprochene Lyrik wie auch die Chansons, die Herbert Baumann in den 1990er Jahren auf die Texte Kalékos komponiert hat. Als roter Faden dient Alix Dudel ein fiktiver Brief, den sie an die Lyrikerin geschrieben habe.

Alix Dudel verfügt über die ideale Stimme für die Wiedergabe der Chansons: dunkel, tief und warm timbriert ist sie und durchlässig für die Nuancen des Gefühls, die kleinen Brüche, die feine Ironie der Dichterin. So wird das geplatzte Rendevous („Angebrochener Abend“) zu einer augenzwinkernden Seelenstudie, wird die Begegnung mit einer verflossenen Liebschaft („Alte Flamme bei Lichte besehen“) zur ironischen Selbstreflektion. Die kleinen und größeren Frustrationen der Liebe sind es, die Kaléko auch in Gedichten wie „Das Ende vom Lied“ oder „Der nächste Morgen“ humorvoll beleuchtet. Und Alix Dudel lebt diese Verse, anstatt sie nur zu interpretieren: Dafür wird sie geliebt von ihrem Publikum, das mit wachsender Begeisterung applaudiert und auch die brillanten Solo-Einlagen von Gitarrist Sebastian Albert mit viel Beifall bedenkt.

Immer wieder streift Dudel im Laufe des Abends die Lebensstationen der Dichterin: Ihre Ehen, die Geburt des Sohnes, die Emigration in die USA, ihre frühen Erfolge in Berlin: Dort, wo sie ihre „leuchtenden Jahre“ verbrachte und auf Dichterkollegen traf wie Else Lasker-Schüler, Kurt Tucholsky und Erich Kästner, hat inzwischen auch Dudel ihren Wohnsitz genommen – sicher nicht ihre einzige Gemeinsamkeit mit der Dichterin, die mit ihren Texten immer ganz nah am Menschen war.




Peiner Allgemeine Zeitung - 24. Januar 2012


Lyrische Begegnung mit Mascha Kaléko


Soßmar: Alix Dudel schlüpfte in die Rolle der Dichterin, Sebastian Albert begleitete sie auf der Gitarre


Eine lyrische Begegnung mit Mascha Kaléko erlebten die Besucher am Sonnabend im vollbesetzten Kultursalon in Soßmar. Wieder einmal bestätigte sich: Der Salon atmet nicht nur Kultur, er ist Kultur.


Soßmar. Man wähnte zwischenzeitlich gar vier Personen vor sich; und doch waren es leibhaftig nur die Diseuse und Chansonette Alix Dudel aus Berlin und der klassische Gitarrist Sebastian Albert aus Hamburg. In Hummers Kultursalon schlüpften die beiden in die Rollen der grandiosen Lyrikerin Mascha Kaléko (1907 – 1975) und Herbert Baumann (geboren 1925), der ihre Text ideal vertont hat.


Die Textvorlagen Kalékos entspringen Alltagssituationen, die jeder nachvollziehen kann. Jedoch sind diese Beschreibungen verpackt in einer syntaktisch und lexikalisch brillanten Sprache. Gerade hier lehnen sich die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Alix Dudel an, deren Schauspiel- und Gesangsunterricht einerseits und ihre Ausbildung zur professionellen Sprecherin andererseits ideale Bedingungen dafür schaffen, Versmaß und Reimschemen zu eher schwebenden Klammern zu degradieren und allein die Text-Interpretation ins Zentrum zu rücken. Das gelang ihr mit vorbildlicher Deklamation und einer unglaublichen Ausstrahlung – immer wieder auch gepaart mit einer Portion Skurrilität und fein-nervigem Humor („Befolgt der Freunde Un-Rat nicht, dann seid ihr gut beraten“) oder introvertierten Gedanken („Ich will die Stunde, wie sie ist, in mir bewahren“).


Ihrer großen Variationsbreite stand ihr instrumentaler Begleiter Sebastian Albert in nichts nach: Filigran in der Fingertechnik inszenierte er Übergänge ebenso meisterhaft wie die geschlossene und gebrochene Akkordik. Instrumentale Solo-Stücke schufen als Intermezzi zwischen den lyrischen Texten Raum für das eigene Nachspüren und Sinnieren.


Mit der Maxime „Ich freue mich, dass ich bin; ich freue mich, dass ich mich freu’!“ aus einem erst im Nachlass gefundenen Gedicht und dem „Lied zur Nacht“ sollte dieser fesselnde Abend enden. Doch das überaus dankbar applaudierende Publikum konnte sich noch an einer weiteren Zugabe erfreuen.

hl




Kulturchronist  1.8.2011


Leben und Liebe unter dem Brennglas

Alix Dudel singt und rezitiert Mascha Kaléko


Ob Mascha Kaléko wohl oft „sozusagen grundlos vergnügt“ war? Hört man Alix Dudel mit den – gesungenen oder gesprochenen – Versen der 1918 als Kind aus Galizien nach Berlin gekommenen Dichterin, kann man sich diese verhalten optimistische und doch tief melancholische Stimmung ganz gut vorstellen. „Ich denke oft an Kladow im April“, schrieb Kaléko in der amerikanischen Emigration, und Alix Dudel trägt das so unkitschig gefühlvoll vor, dass man sich gleich aufmachen möchte dahin und der 1975 gestorbenen Schriftstellerin gedenken. Die Lyrik Kalékos ist aber auch dann ganz erstaunlich, wenn sie die melancholische Ader etwas abseits lässt und das Zwischenmenschliche überraschend lapidar betrachtet: „Man braucht nur einen Menschen, den aber braucht man sehr“ – Leben und Liebe wie unter einem Brennglas.


Alix Dudel hat für diese neue Produktion den Gitarristen Sebastian Albert als Begleiter mit Improvisationen und stimmungsvollen Soli eingebunden. Die Gitarrenbegleitung ist im Vergleich zum üblichen Klavier dezenter, zerbrechlicher, lässt den Text noch stärker hervortreten. Als Chansonkomponist ist ausschließlich Herbert Baumann vertreten, der in den 1990er Jahren ebenso schlichte wie prägnante Vertonungen der Kaléko-Texte schrieb. Alix Dudel hat keine Mühe mit dem Wechsel von Wort und Musik, die erfahrene Sprecherin artikuliert glasklar, aber biegsam und angenehm, ihre Gesangsstimme erinnert an die Töne einer Bratsche: glühend, wenn es sein muss, dezent, wenn es passt, dunkel getönt ohne Schärfe und immer elegant. Sie bringt Mascha Kalékos Lyrik vokal auf den Punkt, will es aber nicht besser wissen als der Text, der in sich gebrochen genug ist und divenhafte Übertreibungen gar nicht braucht.


Vieles auf dieser CD ist ziemlich traurig, zumal in Kenntnis des durch die äußeren Verhältnisse unstet gewordenen Lebens der Mascha Kaléko. Und doch fühlt man sich, wenn man ein angenehmes Stündchen hinter sich hat, „sozusagen grundlos vergnügt“. Warum, darüber darf man noch eine Weile nachdenken. Eine schöne CD ist das, vielleicht für den Herbst, den unvermeidlichen. Oder auch schon für diesen seltsamen Sommer, der so herbstlich ist.


Jürgen Hartmann | www.kulturchronist.de




Was man so alles überlebt...


Mascha Kaléko (1907-1975) war und ist eine singuläre Erscheinung in der deutschsprachigen Lyrik. Ihre Gedichte, in Bänden wie "Das lyrische Stenogrammheft",  "Verse für Zeitgenossen" und "Das himmelgraue Poesiealbum der Mascha Kaléko" erschienen, trafen wie keine je zuvor das Lebensgefühl der bürgerlichen Mittelschicht, der kleinen Angestellten und Tippsen in den Büros, die sich mit Seufzen und stillem Humor durch das Grau des Alltags lavieren, stets auf der Suche nach dem kleinen Glück. Mascha Kaléko war nicht in Berlin geboren, was sie aber nicht hinderte, in Duktus und Sprache eine waschechte Berlinerin zu sein, ein Großstadtkind. 


Ihre Gedichte sind klug, voll mit Ironie gespickter Lebensweisheit, ihre Aphorismen und Epigramme wie in "In meinen Träumen läutet es Sturm" sind punktgenau, und die in "Der Gott der kleinen Webfehler" gesammelten Prosa-Skizzen zeigen auch ihren hohen feuilletonistischen Rang. Daß die Texte der nach einer langen Lebens-Odyssee 1975 in Zürich gestorbenen Mascha Kaléko nicht vergessen werden, ist dem unermüdlichen Einsatz ihrer Freundin und Nachlaßverwalterin Gisela Zoch-Westphal zu danken.


Zu den teils hervorragenden Interpretationen, die bisher schon auf Tonträgern zu haben waren, darunter auch die Aufnahmen mit Barbara Schnitzler und Albrecht Riermeier "Hat alles seine zwei Schattenseiten", ist jetzt ein ganz bemerkenswertes Album hinzugekommen, auf dem die Diseuse Alix Dudel, begleitet von Sebastian Albert an der Gitarre, Mascha Kaléko spricht und singt. Und es kommt beim Anhören nicht nur einmal vor, daß man sich sagt: "Ja, genauso muß es sein, so hab´ ich mir das vorgestellt."

Die Wandelbarkeit von Alix Dudels warmer Stimme läßt jeden der fast 40 ausgewählten Texte im genau richtigen Ton erklingen, ihre Liebe, Zärtlichkeit, Ungeduld, Selbstbesinnung und ihre Heiterkeit spüren. Man möchte diese großartige Frau und Dichterin selber gekannt, mit ihr gesprochen, ihre Text aus ihrem Mund gehört haben. So bleibt ihr Vermächtnis, im vorliegenden Fall kongenial aufbereitet.


Dieses Album bekommt mit Nachdruck unsere Auszeichnung, den Musenkuß!


http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=8846&neu=1


11.07.2011




Stadtkind,  Juli 2011


Die CD «Sozusagen Grundlos Vergnügt» wurde im NDR-Funkhaus aufgenommen. Die Diseuse und Schauspielerin

Alix Dudel singt und rezitiert Lieder und Lyrik von Mascha Kaléko, der Gitarrist Sebastian Albert spielt dazu Musik von Herbert

Baumann. Kaléko, die von 1918 bis 1938 in Berlin lebte, war eine famose Großstadtpoetin.

Ihre Texte sind so schön, daß es weh tut. Dudel wiederum versteht es meisterhaft, den Gedanken der Dichterin einen angemessenen Ausdruck zu verleihen. Mit der Geste der altersmilden Diva, die alles gesehen und erlebt hat, singt sie wundervolle Chansons wie „Einem Kinde im Dunkeln“ und liest lakonische Gedichte wie „Was man so alles überlebt“ und „Träumer Mittleren Alters“.

„...Mein Schicksal bleibt es, Träumen nachzujagen - ein hoffnungslos verlorenes großes Kind“ lautet eine von vielen Passagen, die die Seele zum Schwingen bringen: toll!


magaScene - Hannover, Juli 2011


Ein ganzes Album mit der Poesie von Mascha Kaléko - hervorragend interpretiert und einfühlsam auf der Konzertgitarre vom

Hamburger Sebastian Albert begleitet. Er schafft wunderbare Räume für die vielfältige Lyrik der 1938 von Berlin aus in die USA emigrierten Künstlerin. Alix Dudel spricht und singt, als wenn sie mit den Texten groß geworden wäre.... Man merkt den Texten nicht

an, daß sie aus dem letzten Jahrhundert kommen. Sie klingen durchweg aktuell wie nie zuvor.



Jüdische Allgemeine, 16.6.2011

Alina Manoukian





The Epoch Times Ausgabe: 17. Juli 2013


von Caroline Cheng



„Sing mir dein Lieblingslied", so bat Alina Manoukian Bekannte und Fremde in Armenien mit einem Aufnahmegerät in der Hand. Alina Manoukian ist in Teheran geboren und in Deutschland aufgewachsen. Ihre Eltern stammen aus Armenien. Ihr Debütalbum, das im Juni dieses Jahres erschien, entstand bei der Suche nach ihrer Identität. Dafür reiste sie zweimal nach Armenien in das Land ihrer Eltern.


Ihre allererste Begegnung mit Armenien beschreibt sie als etwas schwierig. „Da war ich 11 Jahre alt und wir sind mit der ganzen Familie nach Armenien aufgebrochen. Ich hatte mich auf diese Reise gefreut, aber als wir dort ankamen, wurde ich von den Kindern nicht besonders freundlich empfangen, da ich aus Deutschland kam, und das war damals für mich komplett verwirrend. Dann habe ich für mich beschlossen 'Okay, Deutschland ist mein Zuhause'."

Während ihres Schauspielstudiums erhielt Alina Manoukian zum ersten Mal die Möglichkeit, sich durch Gesang auszudrücken und ein armenisches Lied vor Intendanten zu singen.

Alina Manoukian fing an, Lieder zu recherchieren. Lieder und Melodien, die sie aus der Kindheit kannte. „Ich fing mit dem Gesangbuch meines Vater an, der mir auch seine Lieder vorsang", erinnert sich die Künstlerin. Nach und nach entstand die erste Verseproduktion, diese hieß „Fremdeln die Sterne in der Ferne" und lief zwei Jahre lang am Deutschen Theater in Göttingen.

Der Ausgangspunkt für ihre Reise nach Armenien war also eine Theaterproduktion und dabei ging es um die Frage: Was ist eigentlich Identität? „Wenn man in der Diaspora lebt, hält man sich an Rituale und da fragt man sich, was genau verknüpft mich mit dieser Kultur, wie lebe ich sie? Für mich ist die Musik ein ganz unmittelbarer Zugang. Meine Oma hat immer gesungen, mein Vater hat immer gesungen." Die Musik, sagt Manoukian, habe sie immer begleitet.

Mit einem Aufnahmegerät in der Hand reiste sie nach Armenien und fragte dort Bekannte, Freunde - Menschen, die sie dort kennengelernt hatte, nach ihren Liedern. Als Erwachsene war die Künstlerin zweimal in ihrer armenischen Heimat.

Obwohl Alina Manoukian die armenische Sprache beherrscht, mussten Verwandte und Freunde bei der Übersetzung der alten Lieder auch mal aushelfen. Ein Theologe hat ihr dabei geholfen, ein Kirchenlied zu verstehen. Sie selbst übersetzte die Lieder und versuchte, die Bildsprache und Poesie beizubehalten. In den Stücken gibt sie den alten Liedern und Texten ihre ganz persönliche Note.

Auf der Suche nach Liedern begegnete Alina Manoukian wundervollen Menschen, die ihr Ihre Lieblingslieder vorsangen. „Die Gesichter waren wie verzaubert, so wie man es oft bei Kindern beobachten kann, wenn sie sich besonders freuen".

Die Angst, die Alina Manoukian bei dem Gedanken hatte, wie die Armenier ihre Lieder aufnehmen würden, ist verständlich, aber unnötig gewesen, wie sie selbst sagt. „Die haben verstanden, was ich dort gesucht habe." Der Albumtitel ihres Debutalbums „Na Mi Naz Ouni" ist gleichzeitig ihr Lieblingslied mit sehr bildhaftem Text: „Die Lerche kam, verschwand im Feld. Die Nachtigall stieg herab und umarmte die Rose."

„Wir haben versucht, bei jedem Lied ein griffiges Bild zu haben und das musikalisch umzusetzen in der Begleitung. [...] Die armenischen Volkslieder sind meistens sehr opulent und werden in einer ganz bestimmten Form gesungen. Ich habe mich dem widersetzt, weil ich das Gefühl habe, es muss etwas mit mir zu tun haben - ich habe diese Lieder in der Kindheit gehört und muss das irgendwie einbringen, wie ich geprägt wurde."

Alina Manoukian fühlt sich in Deutschland zu Hause. Doch gibt es auch Bereiche, in denen sie sich in der deutschen Kultur nicht so sehr verwurzelt fühlt, dazu zählen Humor, Erwartungen im zwischenmenschlichen Bereich und Emotionalität. Doch Heimat, so sagt sie, sei kein Land, sondern ein Zugriff auf das Leben. Ihr Wunsch ist es, einmal international aufzutreten, vielleicht auch einmal in Armenien.

Neben ihrem Wunsch, dass ihre Musik gut ankommt und verbreitet wird, hat die Deutsch-Armenierin noch einen Zukunftswunsch auf dem Herzen: Der Völkermord an den Armeniern wirft einen dunklen Schatten in die Gegenwart. Die Vergangenheit kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber eine ehrliche Aufarbeitung durch die beteiligten Parteien wünscht sie sich und einen Prozess der Heilung. Auch könne man lernen zu verzeihen und beide Seiten könnten somit ein Kapitel abschließen und sich der Zukunft widmen. „Wir wollen alle weitermachen, aber es braucht eine Entschuldigung." Dies ist auch ihr Wunsch für die Zukunft. Für alle Parteien sei es gut, Klarheit zu schaffen. Für die zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch für die politische Beziehung sei es wichtig, dass sich die Verhältnisse beider Länder zueinander klären.

Aber zum Glück kennt Alinas Manoukians Musik keine Grenzen und geht nicht über den Kopf, sondern direkt ins Herz.




Badische Zeitung - 11. August 2012: Vertraute Gefühle in einer fremden Welt   ...mehr:


CD-Rezension Kulturnews:   ...mehr:


Konzert - Rezension vom 29.6.2012 im Hans-Otto-Theater, Potsdam ...mehr:


Feature von Sophia Grupp im rbb-Zeitpunkte-Magazin   ...mehr:


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Braunschweiger Zeitung vom 16.9.2013:


Schlechte Zeiten für gute Menschen: Michael Thalke brilliert mit Brechts „Sezuan“ am Staatstheater.

Von Andreas Berger


Die Götter swingen. Showtime. Mit strahlendem Lächeln suchen sie die Erde heim auf der Suche nach guten Menschen. Um zu beweisen: man kann auch in dieser Welt gut und glücklich sein. Nach den ersten Auskünften des Wasserverkäufers, der vergeblich ein Quartier für sie sucht, entgleiten schon manchmal die Gesichtszüge, aber noch siegt die Contenance.


Dass es am Ende eine Prostituierte, die liebe Shen Te, ist, die ihnen Obdach gibt, übersehen sie gütig. Ebenso wie Barbara Steiners ruinöse Hochhauslandschaft im Hintergrund. Hauptsache ihre Weltsicht bekommt keinen Knacks. The show must go on.

Michael Thalke, der in Braunschweig schon zwei Opern überzeugend im Showbusiness angesiedelt hat, gelingt auch mit Brechts klassischem Parabelstück vom „Guten Menschen von Sezuan“ ein treffendes Beispiel aufklärerischer Unterhaltung. Wobei ihm Brechts Ideen, durch Masken, Schilder, Rollen- und Geschlechtertausch bloßes mitleidiges Einfühlen zu verhindern, dankbare Vorlagen liefern. Doch trotz manch komischer Effekte wird dabei nichts verulkt, der Konflikt tritt hart und deutlich hervor.

Das Augenmerk der Zuschauer soll auf den Fakten und Situationen liegen, der Fall ist zu analysieren, so will es Brecht, die Menschen dagegen sind austauschbar. Das geht natürlich nie ganz auf, da einem Shen Tes redliches Mühen, auch in widrigen Zeiten Mensch zu bleiben, schon nahegeht. Wenn Bea Brocks in der Titelrolle zusammengekauert wie ein Embryo auf dem Hochzeitstisch liegt, vom Bräutigam verraten und mit Alkohol übergossen, ist das schon ein anrührend trostloses Bild. Hier gewinnt sie tragische Größe, während sie zuvor doch etwas zu sehr den naiven Tonfall pflegt. Wo natürliche Güte einen natürlich direkten Ton verlangte.

Die Gutmütige aber wird ausgenutzt. Von schmarotzenden Bekannten, der neidischen Witwe Shin, sogar dem Flieger, in den sie sich verliebt, der aber seine Karriere für wichtiger nimmt. Verkleidet als strenger Vetter Shui Ta muss sie sich dann immer wieder aus den Nöten der Nächstenliebe befreien. Böse Menschen?

Für Brecht nicht, denn die Verhältnisse, die sind nicht so, dass man gütig sein könnte. Guten wie Bösen aber fehlt das Bewusstsein, dass und wie die Verhältnisse zu ändern sind.

Ohne dies aber geht die Parabel in die Endlosschleife, wie Thalke zeigt, wenn die Schauspieler am Ende die Rollen neu vergeben zur nächsten Runde desselben Stücks. Mit Philipp Grimm als Shen Te könnte man sich das gut vorstellen, ist er als Flieger doch auch eher netter Kerl als verwegen. Wenn sich die beiden unterm Regen umarmen, gönnt die Liebe auch in der Inszenierung dem Sozialkonflikt mal Pause.

Wenn Grimm aber das Lied vom trostreichen Sankt-Nimmerleinstag rausrockt als Hasslied, spürt man endlich die von Brecht gewünschte Rebellion.

Auch das übrige Ensemble besticht durch ständigen Ton-, Gesten- und Kostümwechsel in Mehrfachrollen. So Martina Struppek mit ihrem handfesten Ton als Schmarotzerin, Tobias Beyer als säuselnde Hausbesitzerin, Nientje Schwabe als neugierige Witwe Shin, Raphael Traub als bärmelnder Schreiner und Mathias Bleier als betrogener Wasserverkäufer, auch so ein guter Mensch von Sezuan.

Begeisterter Applaus und Bravos für eine aufrüttelnde Show.

Reutlinger Generalanzeiger 07.04.2014

Intimes und Spukhaftes

REUTLINGEN. Die Gitarre muss was einstecken beim Konzert von Sebastian Albert und C. René Hirschfeld am Freitag im Spendhaus. Korpus-Perkussion hat man von Gitarristen ja schon gehört; doch Sebastian Albert verpasst seinem Instrument in Horst Lohses »Lyrics« derart Hiebe, dass es einer Besucherin entfährt: »Er macht das Ding noch kaputt!«


Keine Angst, die Gitarre hat überlebt im Auftritt des Berliner Duos in der Musica-Nova-Reihe. Die jähen Ausbrüche an Gitarre und Geige in Lohses Stück sind Teil einer spukhaften Grundstimmung. Sein Dreisätzer ist so etwas wie Edgar Allen Poe in Tönen. Am Streich- und Zupfinstrument erlebt man unheilschwangeres Gemurmel, aufs Griffbrett geschlagene Akkorde, geisterhaftes Glissandieren und exzessives »Bending«, das »Ausbiegen« von Tönen, indem man die Gitarrensaiten »verzieht«. Kurzum, man taucht in eine Sphäre greller Kontraste und verzerrter Konturen. Spannend!


Ein ähnliches Wunderkabinett an Klangerzeugungs-Finessen lässt Geiger Hirschfeld später in seinem Solostück »Solitude« vom Stapel. Hoch virtuos, packend in seinen Kontrasten, im Grundton aber melancholisch. Hirschfeld hat den Satz einst für seine Geigenprüfung geschrieben – die Gesichter der Prüfer hätte man sehen wollen.


Wunderkammer der Töne

Ja, er ist schon viel Wunderkammer, dieser Abend, und die beiden Musiker zelebrieren das mit großer Intensität. Es ist aber auch ein Abend des bei allen Grellheiten intimen, anschmiegsamen Klangs. Auch das kann Neue Musik. Das Eingangsstück »Introduction e Aria« des Italieners Nuccio d’Angelo von 1993 will man fast gar nicht als solche bezeichnen, so spätromantisch klingt es; und doch haben die Anklänge an Flamenco und orientalische Musik ihren Reiz.


Vor allem der zweite Teil zeigt, dass auch in zeitgenössischer Ästhetik wie in Rainer Rubberts »Phillip’s Gone« ein persönlicher, intimer Ton stecken kann. Das Stück für Geige und Gitarre, eine Art Nachruf für einen Freund, bekommt durch eine um drei Ganztöne nach unten »verstimmte« Geigensaite eine charakteristisch schmerzliche Färbung. Schrille Doppelgriffakkorde an der Geige, fragile Flageoletts und metallische Effekte durch einen unter die Gitarrensaiten geschobenen Nagel tun ein Übriges, um eine im Inneren verstörte und gerade dadurch berührende Klangwelt zu schaffen.


Ausflug in den Zauberwald

Mit »Equinox« des Koreaners Toru Takemitsu kehrt Friede ein und ein dunkles Schweben sphärischer Gitarrenklänge. Am Ende gleitet man mit Hirschfelds »Nachtstück« in den Zauberwald von Shakespeares »Sommernachtstraum«. Waldweben hört man da, ein Schlaflied der Elfen, den Kobold Puck, in hohen Tönen scherzend. Was könnte auf so einen verwunschenen Kosmos als Zugabe folgen? Erstaunlicherweise ein kurzes Bach-Stück. Bach, sagt Hirschfeld, »ist immer zeitgenössisch«. (akr)




Südwest-Presse, 07.04.2014  :

Klangsinn, Schmelz und Ausdruckskraft


VON SUSANNE ECKSTEIN


Reutlingen. Das gängige englische Wort für Songtexte war mit „lyrics“ hier sicher nicht gemeint, eher die „klassische“ Umschreibung für Poesie und Dichterisches im weiteren Sinn. Aber Lyrik in der Neuen Musik?

Wenn man sie als Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten versteht, kann sie durchaus „lyrisch“ sein. Oder auch mal melodisch, wie das Eingangsstück von Nuccio d’Angelo, „Introduzione e aria“ für Violine und Gitarre,

wo die Instrumente quasi improvisierte Zwiesprache halten, mit schrägem Sentiment und bitterem Schmelz.


Das Motto des Abends stammte von Horst Lohses „Lyrics“, drei Miniaturen, wiederum für Violine und Gitarre,

die streiflichtartig ineinander übergingen: „bizarro“, „misterioso“ und „molto espressivo“, in knapp an- und abgerissenen Tönen, zu gläsernem Hauch verfremdet, in zart flatterndem Tremolando angedeutet.


Kleine Klangkunstwerke, konzentriert gestaltet in behutsamem Miteinander und mit großem Können, erfüllt mit dichter Atmosphäre, die durch die räumliche Nähe im Spendhaus verstärkt wurde.


Aus der Zeit der Zwölfton-Mode stammten die „Three Pieces“ für Gitarre solo von Thomas Wilson.

Auch heute noch fordern sie Spieler wie Hörer durch ihre „akademische“ Faktur, auch wenn Sebastian Albert das sperrige Notat mit viel Einfühlung, Klangsinn und Ausdruckskraft auflud.


Wie öfter in dieser Reihe war Musik aus erster Hand zu erleben: C. René Hirschfeld ist Geiger und Komponist zugleich und präsentierte eigene Werke. Zunächst die „Solitude“ für Violine solo, in der durch Skordatur (Umstimmen einzelner Saiten) neue Farbigkeit erzeugt und der übliche „schöne“ Geigenton in Frage gestellt wird, in einem leisen, doch sprachmächtigen Monolog eines Einsamen, auf einer zarten Tour de force durch Stile und Ausdruckswelten.


Melancholische Stimmungen prägten auch den zweiten Teil, obwohl die zwei Musiker in ihrer Moderation gute Laune verbreiteten. In „Philipp’s gone“ beklagt Komponist Rainer Rubbert den Verlust eines Freundes;

C. René Hirschfeld und Sebastian Albert widmeten sich dieser verhaltenen Klage mit viel Feinsinn und Gespür für die Expressivität zwischen den Zeilen und in den Pausen. Tiefere Dimensionen erhält dieses Stück durch die Verwendung einer Bratschensaite und durch einen episodischen Rollentausch der Instrumente: Die Gitarre wird sanft mit dem Geigenbogen gestrichen, die Geige gezupft.


Danach blieb Toru Takemitsus „Equinox“ ein wenig blass, ein träumerisches

Gitarrenstück in sanften Farben, bevor C. René Hirschfelds „Nachtstück“ für Violine und Gitarre den Abend beschloss, erläutert und erschlossen durch Hirschfeld selbst.


Er erzählte, wie er eine Schauspielmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ komponiert hatte, der mit menschlichen Darstellern und Puppen (für die Fabelwesen) besetzt war, mit Motiven für den Zauberwald, für Puck, und einem Schlaflied für die Elfen, die er später in diesem „Nachtstück“ zusammenfasste. Nicht nur lyrisch,

sondern geradezu bildhaft präsent erschien diese Musik, die mit kontrastierenden Themen und (erneut mittels Skordatur erzeugten) fein abgestuften, herb-süßen Saitenklängen in ungewohnten Farbnuancen fesselte, von den beiden Künstlern erneut mit viel Einfühlung und dichter – lyrischer – Spannung erfüllt. Eine feinsinnige, intime Musik, für die das Händeklatschen des kleinen Auditoriums fast zu brutal erschien.

Zwischen gestern und morgen: Alix Dudels Brecht-CD


von Stefan Gohlisch


HANNOVER - Warum eigentlich Brecht? „Weil er mich schon so lange begleitet – und weil er nach wie vor aktuell ist, ohne dabei modern zu sein.“ Und genau das war es, was Alix Dudel für ihre neue CD suchte, die zweite mit Gitarrist Sebastian Albert.

„Die neuen Zeitalter“, produziert vom NDR, aufgenommen im Kleinen Sendesaal, enthält Lieder und Lyrik, ein Spektrum von der „Dreigroschenoper“ bis zu den Herr-Keuner-Geschichten. Dazu gibt es Klangcollagen – der Meister liest selbst. „Das passte für uns zum Thema“, sagt die Chanson-Sängerin: „Es sollte eine CD werden, die aus der Geschichte kommt und nach vorne weist.“

Auch live, bei dem absolvierten Release-Konzert in ihrem Wohnort Berlin ebenso wie bei dem anstehenden in ihrer Heimat Hannover, bleibt der Collagen-Charakter erhalten: „Da geht es auch darum ‚Wie höre ich heraus, was mich wirklich interessiert?“  Ein sehr modernes obgleich immergrünes Thema. Das sich musikalisch fortsetzt: Die Lieder auf dem Album sind behutsam mit Konzertgitarre umgesetzt. Dudels Chansonstimme verstärkt den zeitlosen Charakter noch: Lieder, die bleiben.


Vier von fünf Sternen


Dienstag, 28. Oktober 2014                        Neue Presse Hannover




Mit wenigen Worten ganze Welten entstehen lassen


Kultur  


Alix Dudel und Sebastian Albert gastierten mit einem Brecht-Abend am Donnerstag in Leer

Rund 50 Gäste waren zu der lyrisch-musikalischen Veranstaltung in den Kulturspeicher

gekommen.

von Karin Eden


LEER - Einen wundervollen lyrisch-musikalischen Abend mit Gedichten von Bertolt Brecht erlebten rund 50 Besucher am Donnerstagabend im Kulturspeicher. Ein Klassiker gehöre immer ins Programm des Bücherfrühlings, erläuterte Stadtbüchereileiterin Antje Hamer-Hümmling eingangs. Letztes Jahr gab es Kafka, diesmal Brecht.

Mit ihrer Vortrags- und Sangeskunst bezauberte die Berliner Schauspielerin Alix Dudel ebenso, wie der klassische Konzertgitarrist Sebastian Albert aus Hamburg mit seinem sanften, begleitenden Spiel.

Brechts Lyrik wurde von Hanns Eisler, Paul Dessau und Kurt Weill vertont.

So präsentierte das Duo die meisten Texte als gesungenen Vortrag zur Gitarrenbegleitung. Eingangs überraschte Dudel mit dem Lied „Erinnerung an die Marie A.“, das sie mit angenehmer Altstimme im hinteren Zuschauerraum sang, während Albert

sein Gitarrenspiel bereits von der Bühne aus beisteuerte.

Aus den Lautsprechern wurden unterschiedliche Sequenzen eingespielt. Mal liefen Radioansagen durcheinander,

erklangen ausschweifende Interpretationen von Brechts Werken sowie auch Originaltöne vom Dichter selbst. Mal schwieg Alix Dudel, mal zitierte sie über diesen Gesprächsteppich hinweg Brechtsche Verse.


Damit der Abend nicht allzu schwer würde, hatte Dudel auch Texte des lebensfrohen, lustigen Brechts im Gepäck. Den „Pflaumenbaum (glaubt man ihm kaum)“ etwa oder Zitate über Schwein und Elefant. Unsicher war man sich anfangs, wann Beifall angebracht war, doch Dudel ermutigte das Publikum: „Klatschen Sie ruhig, in diesem Programm muss

man sich den Beifall schwer erkämpfen!“

Weil sie die Intensität von Brechts Worten liebt, seine Fähigkeit, mit wenigen Worten ganze Welten entstehen zu lassen, habe sie sich entschieden, diesen Brecht-Abend zu machen, erläuterte Dudel. So unterschiedlich die Texte auch waren, traf sie stets den passenden Ton, mal elegisch, mal keck - und ihr Partner an der Gitarre zauberte die passenden Klänge dazu. Das Publikum lauschte andächtig und belohnte den

faszinierenden Auftritt der Künstler mit begeistertem Applaus.


Ostfriesen-Zeitung, /. Juni 2014


Mut zur Gegenwart


Diseuse Alix Dudel und Gitarrist Sebastian Albert eröffnen Brecht-Tage im Stadttheater Hildesheim.

von Patricia Hempel

 

Bei einem Brecht-Abend denkt man sofort an die „Dreigroschenoper“. Auch die steht ab 29. Juni auf dem Spielplan des Stadttheaters. Doch zur Eröffnung der Brecht- Tage gab es „Lieder, Lyrik und Worte“.

Alix Dudel und Sebastian Albert legen den Fokus auf unbekanntere Werke des Dichters.


Kein klassischer Liederabend, mit Stücken von Hanns Eisler, Paul Dessau und Kurt Weill, sondern vielmehr eine Brecht-Collage, die von Liedern, Moritaten, Gedichten und Toneinspielungen lebt.

Stimmen vom Band bilden Metaphern und Metaebenen zu einzelnen Programmpunkten:

kriegerische Kampfrufe bei „An den kleinen Radioapparat“, aus dem die Feinde zu einem sprechen, oder Dudels eigene Stimme, die wie beim Gedicht „Keuschheitsballade in Dur“ ihre Sprechperformance

um eine akustische Ebene erweitert.


Im Foyer des Stadttheaters gibt sich die im Hannoverschen Raum aufgewachsene

Sängerin und Schauspielerin Alix Dudel selbstbewusst. In gewisser Weise ein

Nachhausekommen, schließlich stand sie hier 2006 in Richard Heubergers Operette „Der

Opernball“ als Madame Beaubuisson auf der Bühne.


Dudel strahlt das Flair alter Kabarette und Varietés aus. Gesanglich verrucht bis rauchig

lässt ihre tiefe Alt-Stimmlage oft an Hildegard Knef oder gar an einen Jüngling denken. Ihr

Sprechtimbre durchdringt das Gehör in der Art einer Evelyn Hamann, deren Namen man

nicht zuletzt durch Dudels Talent zur darstellerischen Komik assoziiert.


Die Diseuse und ihr Gitarrist Sebastian Albert sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Bereits 2010 spielten sie gemeinsam Lyrik von Mascha Kaléko. Das CD-Release zum

Brecht-Abend ist diesen Herbst geplant. Dudel liebt die Intensität Brecht‘scher Welten, und

der Gitarrist die Musik: Das passt zusammen. Dass es sich bei Albert um einen brillanten

und einfühlsamen Musiker handelt, zeigt sich nicht nur an seinen solistischen Momenten:

virtuos und minimalistisch zugleich. Flageoletts, reduzierte Läufe, der Hamburger setzt

immer die richtigen Akzente.


Der Abend ist nicht nur themen- und temporeich, sondern besticht vor allem durch

performative Komplexität: Mütter, die ihre Kinder an den Krieg verlieren, durstige Soldaten

im Stacheldraht und das kriegsinvalide „rechte“ Schwein mit einem Bein. „Das Lied vom

Weib des Soldaten“ in der Version von Hanns Eisler berichtet vom Witwenschleier, der aus

Russland die Heimat erreicht. Der „Kirschdieb“ mit geflickter Hose und die

„Gardinenpredigt“ fordern: „Küss doch mal wieder mit der Zunge.“


In der Zeit von Bertolt Brecht durfte es keine trüben Abende geben, so wird Ernst immer

wieder zu Komik. Für Alix Dudel hat sein Werk nichts an Aktualität verloren. Frei nach dem

Motto: „Das neue Fleisch wird mit den alten Gabeln gegessen“ ändern sich zwar Zeiten -

doch Menschen bleiben gleich.

(Bildunterschrift: Alix Dudel erzählt mit Humor von gar nicht so rosigen Zeiten)

2014_06_06_Mut_zur_Gegenwart! Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Neue Zugänge zu Alter Musik


Cellesche Zeitung, Rolf-Dieter Diehl, 23.11.2013


„..Doch nicht nur als Duo, auch als Solisten bewiesen sie ihr Ausnahmekönnen. Da spielte Albert etwa Johann Sebastian Bachs C-Dur-Sonate für Solovioline (BWV 1005) in einer atemberaubenden Bearbeitung für klassische Gitarre. Nicht als spindeldürre Rhetorik im Dschungel der Vielstimmigkeit, sondern mit volltönigem Schwung und fein hingetupftem Ebenmaß. Sein rhythmisches Feingefühl und seine Noblesse hatten ungemein viel Eleganz, Zartheit und Poesie....“


„..Man muss diese beiden leidenschaftlichen Musiker zu jenen redlichen Interpreten zählen, die die Partituren nicht in erster Linie unter virtuos instrumentalen Gesichtspunkten betrachten, sondern als quasi verschlungene Pfade, die es zu erkunden und zu durchwandern gilt. Und wenn sich Barock und Moderne dabei begegnen, dann kann so eine kammermusikalische Begegnung kaum aufregender und vielfältiger verlaufen als an diesem Abend.“


Den vollständigen Artikel finden Sie hier!

Bert Brechts Texte werden lebendig


Taunus Zeitung, 16.3.2015  Bettina Funk


„..Aus Dudels Augen strahlte die große Begeisterung für die Stücke und mit ihrer Ausdruckskraft ließ sie die Texte lebendig werden. Die Stimmung im Publikum wechselte immer wieder von melancholisch zu heiter, und es gab nicht wenige Lacher an diesem Abend. Die Zuschauer belohnten den faszinierenden Auftritt der Künstler mit langem Applaus.“


Den vollständigen Artikel finden Sie hier