Die neuen Zeitalter

Ein Bertolt-Brecht-Abend mit Gitarre

 

Rezension aus der neuen osnabrücker zeitung vom 13.11.2013 (mit freundlicher Genehmigung)


Bad Essen.

Alix Dudel, Gesang und Wort, und Sebastian Albert an der Gitarre gastierten im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. In ausdrucksstarken Klang- und Wortbildern gelang den beiden Künstlern ein wortgewaltiges Porträt des Dichters und Visionärs Bertolt Brecht. Ihr Auftritt bildete den zweiten Teil der 1. Literatur- und Musiktage in Bad Essen.


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Alix Dudel, die Diseuse mit dem unverwechselbaren Timbre, die sich auch international als Sängerin und Schauspielerin einen Namen gemacht hat, war extra aus Berlin angereist. An ihrer Seite war Sebastian Albert, der mit seinem Gitarrenspiel den wolkenweichen Boden bot, in die die Melancholie der zumeist gesungenen Worte sinken konnte.


Brecht-Songs mit klassischer Gitarrenbegleitung – kann das überhaupt funktionieren? Und ob!

Jedenfalls, wenn man einen so technisch versierten und fantasievollen Gitarristen hat wie

Sebastian Albert. Er hat die von Hanns Eisler, Paul Dessau und Kurt Weill im Original für das Klavier konzipierten Begleitsätze fast notengetreu auf die Gitarre übertragen.

Erweitert wurde das Repertoire durch eigene Arrangements sowie durch anspruchsvolle Konzertetüden des Brasilianers Heitor Villa-Lobos. Ob „Erinnerung an die Marie A“, „Der Schuh des Empedokles“, Brechts Versuch, den spektakulären Tod des Philosophen zum Exemplum gegen Aberglauben und Mystifikation umzudeuten: Musik, Worte und Gesang rundeten sich ab, bildeten eine atmosphärische Dichte und Einheit. Somit bekamen die Besucher einen umfassenden Überblick über das riesige Œuvre von Bertolt Brecht.

„Setzen Sie sich!“ Mit dieser Aufforderung an das Publikum begann der zweite Teil des Abends. Bei dieser Art von Ansprache an die „Flachköpfe“ handelt es sich um jene von Brecht so herrlich witzig und komisch konstruierten Publikumsbeschimpfungen. Es machte einfach großen Spaß, den beiden Künstlern sowohl zuzuhören als auch zuzusehen.

Denn, um Brecht-Songs zu interpretieren, benötigt man alles andere als eine klassische Gesangsausbildung. Alix Dudels tiefe, etwas rauchige Stimme liegt irgendwo zwischen Gesang und Sprache. Sie bildet eine weite Palette der Gestaltungskunst. Mal ist sie heiter, mal aggressiv, mal heult sie wie im Gassenhauer „Surabaya-Johnny“, mal führt sie introvertierte Selbstgespräche und ist dann wieder mahnend und belehrend.

Bertolt Brecht will nicht gefallen. Er will keinen vordergründigen Applaus, er muss niemandem gerecht werden. Er will einfach nur nachdenklich machen.

Zwei Zugaben gab es schließlich für das begeisterte Publikum: ein gemeinsam gesungenes Trinklied sowie die Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens.

Ein paar Gedanken zum Programm
finden Sie hierGedanken_zu_Brecht.htmlshapeimage_2_link_0

Die neuen Zeitalter

Alix Dudel und Sebastian Albert

Ein Bertolt-Brecht-Abend mit Gitarre


Was wollen Sie hören?

Das, was Sie erinnern?

Es wird etwas dabei sein.

Und dann werden Sie sich wundern.

Denn das kannten Sie noch nicht.

Seltsam.

Kann ich das noch mal hören?

Was hat er damit gemeint?

Der hat ja Humor!

Und schön ist das, was er sagt.

Manchmal auch traurig.

Aber schön hat er das gesagt.

Und wie er sich auskennt im Menschen.

Das ist schon was.


Bertolt Brecht war ein Genie. Seine Gnadenlosigkeit, seine Klarheit, seine Unverfrorenheit, sein

Anspruch, seine Wortwahl, seine Treffsicherheit. Mehr denn je scheint es notwendig, die Aktualität

dieses großen Klassikers zu begreifen und neu zu entdecken. Auf der Suche nach Wahrheit und

Werten, nach wirklichen Worten, die das Zeitgeschehen und uns in größeren Zusammenhängen

sichtbar werden lassen, ist Bertolt Brecht ein unentbehrlicher Wegweiser.

Er gestattet uns, in seiner Lyrik Schönheit und Einzigartigkeit zu entdecken und hieraus Kraft zu

schöpfen für den Kampf gegen Ignoranz und Oberflächlichkeit. Er hatte schon lange verstanden,

was wir immer wieder neu lernen müssen: nicht zufrieden zu sein mit dem Erreichten, nicht müde

zu werden im Angesicht neuer Herausforderungen und Verantwortung zu übernehmen, für uns,

unsere Nachbarn und unsere Welt. Neben den großen und immer wieder auf das wunderbarste

oder entsetzlichste dargebotenen Liedern aus der Dreigroschenoper, neben den großartigen

Theaterstücken gibt es einen so reichen Fundus an Gedichten und wohlgeformten Worten, dass

schon das Sichten eine kaum zu bewältigende Aufgabe ist.

Alix Dudel, Diseuse und Schauspielerin aus Berlin (Hannover), deren Markenzeichen eine herrlich

tiefe Stimme ist,  hat gewählt. Mit großer Präsenz und faszinierender Ausdruckskraft lässt sie die

Worte des Meisters lebendig werden. Ihr Anliegen ist gute Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Sebastian Albert, der Gitarrist an ihrer Seite, lässt das Konzert zu einem eigenen und tiefen 

Klangerlebnis werden. Nach 15 Jahren als Bassist der Rockband „Eaten by Sheiks“ lässt er nun

wieder sein ursprüngliches Instrument, die klassische Konzertgitarre, sprechen. Sebastian Albert

lebt in Hamburg.

Die Lieder stammen von Hanns Eisler, Paul Dessau und Kurt Weill.

Sebastian Albert hat diese Lieder für klassische Gitarre eingerichtet.

Außerdem im Programm: Villa-Lobos, Etüde No. 5 und 11 und Castelnuovo-Tedesco, Idilio de April

Es ist nach „Konsequenz des Herzens“, einem berührenden Mascha-Kaléko-Programm, die zweite

Zusammenarbeit der beiden Künstler.


Pr-Text Brecht-Programm! 11.2014